Gesunde Haustiere bei Eis und Schnee

10.12.2007 16:23:34 Dr. Matthias Wingfeld

Schneefressen verursacht bei Hunden häufig blutige Magen-Darm-Entzündungen. Deshalb sollte man es unterbinden und die Vierbeiner nicht noch durch Schneeballwerfen dazu animieren. Streusalz und Split in großen Mengen greifen die Hundepfoten an. Hier helfen ein "Fußbad" nach dem Gassigehen und gegebenenfalls Pflegeprodukte, die das Austrocknen der Ballen und Risse verhindern. Wenn bereits Verletzungen und/oder Entzündungen bestehen oder auch zur Vorbeuge bei empfindlichen Pfoten leisten Pfotenschuhe gute Dienste, die es in verschiedenen Größen gibt. Kurzhaarige Hunde frieren deutlich schneller als ihre langhaarigen Artgenossen und müssen bei Kälte immer in Bewegung bleiben. Dies gilt für alle Tiere, wenn sie nass sind, da ihr Körper dann mehr Wärme abgibt. Nicht nur die gemessene Temperatur ist entscheidend: Ein kalter Wind lässt Mensch und Tier die Temperatur kälter empfinden als das Thermometer anzeigt und führt zur Auskühlung. Eine bisher als reiner "Stubentiger" gehaltene Katze darf im Winter nicht plötzlich zum ganztägigen Freigänger erklärt werden, wenn kein warmes Plätzchen oder eine Katzenklappe ins Haus vorhanden ist. Ein kurzes Hupen vor dem Start eines noch warmen Autos hilft, Katzen aus dem Motorraum zu vertreiben, die sich hier aufwärmen wollten. Frostschutzmittel, die Äthylenglykol enthalten, werden von Haustieren wegen des süßen Geschmacks gerne aufgenommen und führen zu einer meist tödlichen Vergiftung. Immer sicher verwahren! Das Kaninchenfell bietet eine gute Isolation, so dass die "Mümmelmänner" in einem wind- und wettergeschützten Stall mit Unterschlupf gut den Winter draußen verbringen können. Zur Ausbildung eines entsprechend dicken Felles müssen sie aber während des Übergangs der Jahreszeiten draußen leben. Plötzliche große Temperaturschwankungen (im Winter zum Streicheln in die warme Wohnung und dann wieder in die Kälte) vertragen solche "Freilandkaninchen" nicht. Für Meerschweinchen ist Vitamin C (Ascorbinsäure) lebensnotwendig. Im Winter steht kein frisches Grünfutter zur Verfügung und der Vitamin-C-Gehalt von Obst und Gemüse kann lagerungsbedingt niedrig sein. Zur Sicherstellung der Versorgung gibt man in 100 ml Trinkwasser 20-50 mg Ascorbinsäure und als Stabilisator 100 mg Zitronensäure (täglich frisch ansetzen, keine Metallgefäße verwenden). Die Substanzen sind in der Apotheke erhältlich. Empfehlenswert ist dieser Zusatz vor allem bei kranken, trächtigen oder säugenden Tieren, da diese einen erhöhten Vitamin-C-Bedarf haben. Atemwegs- und Hauterkrankungen (trockene Haut, Juckreiz) können sich verschlimmern, wenn sich die Tiere überwiegend in gut geheizten Räumen mit niedriger Luftfeuchtigkeit aufhalten. Abhilfe schaffen Luftbefeuchter und regelmäßiges Lüften.

Ganzjährige Freilandhaltung von Weidetieren ist artgerecht

10.12.2007 16:21:49 Dr. Matthias Wingfeld

Immer wieder gehen im Winter Anrufe und Briefe von Bürgerinnen und Bürgern bei Naturschutz- und Veterinärbehörden ein, in denen die nicht artgerechte Freilandhaltung von Rindern, Pferden und Schafen bemängelt wird. Speziell bei anhaltend nasskalter Witterung stellt sich wohl manchem besorgten Betrachter die Frage, ob es den Tieren nicht in einem warmen Stall besser ginge. Der Naturschutzfonds Wetterau nimmt dies zum Anlass, in einer mit dem Veterinäramt und der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmten Presseerklärung grundlegend Stellung zu dem Thema zu nehmen: Die ganzjährige Freilandhaltung von Weidetieren wird, da sie in Deutschland keine lange Tradition hat und eine hierzulande neuartige Art der Landnutzung darstellt, vielfach mit Unverständnis und Misstrauen betrachtet. Grundsätzlich stellt diese Haltungsform jedoch, auch bei starkem Frost und Nässe, die natürlichste und artgerechteste Form der Tierhaltung dar. Nur für kälteempfindliche Arten wie etwa Ziegen oder Schweine oder auch exotische Tiere ist eine winterliche Stallhaltung erforderlich. Rinder und Pferde entwickeln im Spätherbst, wenn sie draußen gehalten werden, ein sehr dichtes und gut isolierendes Winterfell, das sie gegen Temperaturen bis unter minus 20 Grad schützt. Diese Eigenschaft ist nicht nur bei so genannten Robustrassen, sondern grundsätzlich auch bei hochgezüchteten Leistungsrassen vorhanden. Jungtiere, die im Winter auf der Weide geboren werden, haben bereits bei der Geburt ein dichtes Fell, das sie vor Auskühlung schützt. Bei der Beweidung von feuchten Standorten, beispielsweise in Flussauen, kommt es regelmäßig, speziell in der Nähe von Futterstellen und Tränken, zu Trittschäden, die immer wieder Anlass zu Beschwerden geben. Diese Schlammflächen sind aber, ebenso wie nasse Stellen und überschwemmte Bereiche, so lange unproblematisch, wie die Tiere die Möglichkeit haben, auf trockenere Bereiche auszuweichen. Durch die Anlage von so genannten Strohmatten auf höher gelegenem Gelände kann dem Bedürfnis der Tiere nach trockenen Ruheplätzen nachgekommen werden. Wenn einzelne Tiere dennoch immer wieder gezielt Wasserflächen aufsuchen, so tun sie dies aus eigenem Antrieb und nicht, weil sie dazu gezwungen wären. Überdachte Weideunterstände sind veterinärbehördlich vorgeschrieben, werden aber häufig von den Weidetieren überhaupt nicht angenommen. Wichtiger als ein Regenschutz ist ein Schutz vor kaltem Wind in Form von natürlichen Gehölzen oder aufgestapelten Strohballen. Entscheidend ist vor allem, dass die Tiere jederzeit ausreichend Futter und Wasser haben, um ihren im Winter erhöhten Energiebedarf zu decken. Die im Verhältnis zur Stallhaltung meist deutlich geringeren Tierarztkosten beweisen, dass die Tiere nicht nur gut mit dem Leben im Freien zurechtkommen, sondern gesundheitlich sogar davon profitieren. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die ganzjährige Freilandhaltung von Weidetieren ist, wenn einige wichtige Grundregeln eingehalten werden, in der Regel unproblematisch und steht nicht im Gegensatz zu den einschlägigen Tier- und Naturschutzgesetzen. Wie in jedem Metier gibt es auch unter Tierhaltern schwarze Schafe, die ihre Tiere vernachlässigen und gegen die man bei Bedarf behördlicherseits vorgehen sollte. Bei aller notwendigen Verantwortung und Fürsorgepflicht des Tierhalters ist aber eine zu stark vermenschlichte Sichtweise meist nicht angebracht. Man sollte stets bedenken, dass Weidetiere, speziell Robustrassen wie Galloways, Highlands oder Auerochsen-Rückzüchtungen, sich nicht wesentlich von Wildtieren unterscheiden, die auch harte Winter schadlos überstehen.

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