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Die Haltung von Kaninchen

Unsere Hauskaninchenarten stammen vom Wildkaninchen ab. Dieses war ursprünglich in Steppenlandschaften Südwesteuropas beheimatet. Wildkaninchen leben in größeren Kolonien in weitläufigen Erdbauten zusammen und sind überwiegend dämmerungsaktiv. Sie markieren ihr Territorium an Sammelplätzen durch Absatz von Kot und Urin und versuchen, so fremde Artgenossen fernzuhalten. Innerhalb ihres engen Familienverbandes gibt es eine strenge Rangordnung. Während Häsinnen in der Regel friedlicher sind, zeigen unkastrierte Rammler gegeneinander ständig aggressives Verhalten. Dieses kommt häufig durch heftige Kämpfe und Bespritzen mit Urin zum Ausdruck. Herannahende Gefahr wird von einem Tier mit „Klopfen“ der Hinterläufe auf den Boden an die anderen weitergegeben, um diese zu warnen.

Viele der beschriebenen Verhaltensweisen zeigen sich auch bei unseren Hauskaninchen. So ist es fast unmöglich, unkastrierte Rammler zusammen zu halten. Weibliche Tiere sind in der Regel leichter zu vergesellschaften, häufig aber auch nur, wenn sie miteinander aufwachsen. Handelt es sich um mehrere Tiere unterschiedlichen Geschlechts, sollten die Rammler rechtzeitig kastriert werden. Kaninchen erreichen ihre Geschlechtsreife mit ca. 4-5 Monaten. Die weiblichen Tiere tragen ca. 30-35 Tage. Ihre Jungen sind als „Nesthocker“ auf die Pflege und das Säugen der Kaninchenmutter angewiesen. Sie werden allerdings im Gegensatz zu anderen Haustieren nur 1-2 Mal pro Tag - meistens zur Nacht - vom Muttertier gesäugt. Dies führt häufig zu dem falschen Eindruck, die Mutter kümmere sich nicht um ihre Jungen. Die Aufzucht von Kaninchenjungen ohne das Muttertier ist eine nicht einfache Aufgabe und bedarf der tierärztlichen Betreuung.

Oft scheinen sich Meerschweinchen und Kaninchen gut zusammen halten zu lassen, dennoch kann ein Meerschweinchen den „Kaninchen-Partner“ nicht ersetzen. Da Kaninchen einen enormen Bewegungsdrang haben, ist es nicht einfach, diese artgerecht zu halten. Einzeln und ausschließlich im Käfig gehaltene Kaninchen verkümmern. Daher ist es ideal, Kaninchen mindestens paarweise in einem Käfig zu halten, der die Maße von 120 x 60 cm nicht unterschreiten sollte. Besonders wichtig ist es, den Kaninchen Freilauf zu bieten, entweder in einem Gartenauslauf oder auch in der Wohnung. Bei ausschließlicher Wohnungshaltung wären Beschäftigungsmöglichkeiten wie Verstecke (Häuschen, hohle Baumstämme) oder Grabmöglichkeiten (Buddelkiste) ideal.

Aufgrund ihres Verhaltens, Harn und Kot an Sammelplätzen abzusetzen, sind Kaninchen in der Regel leicht stubenrein zu bekommen. Eine Kiste - z.B. in Form einer kleinen Katzentoilette - wird von ihnen häufig zu diesem Zweck dankbar angenommen. Das Inventar des Käfigs sollte standfeste Futternäpfe, eine Heuraufe, eine Trinkflasche sowie Nagemöglichkeiten beinhalten. Zweige von ungespritzten Obstbäumen, Weide oder Haselnuss erfüllen diesen Zweck. Eine geeignete Einstreu besteht aus Kleintierspänen, Presspellets, Stroh bzw. Heu. Auf Holzspäne sollte wegen ihres hohen Staubgehaltes und ihres erhöhten allergenen Potentials gänzlich verzichtet werden.

Zur Stabilisierung der anspruchsvollen Darmflora von Kaninchen sowie zur Ernährung ihrer Darmschleimhaut ist ein hoher Rohfasergehalt notwendig, den Sie hauptsächlich über pflanzliche Kost in Form von Heu und Frischfutter gewährleisten können. Rohfaserreiche Futtermittel führen zudem über die verlängerte Futteraufnahmezeit nicht nur zur längeren Beschäftigung Ihrer Kaninchen, sondern auch zu einem für die Zähne notwendigen Abrieb. Heu muss daher immer in ausreichender Menge angeboten werden. Viele im Handel erhältliche Heuabpackungen enthalten leider häufig Konservierungsmittel und Duftstoffe, die zu Unverträglichkeiten führen können. Das direkt beim Bauern bezogene Heu ist oftmals preisgünstiger und verträglicher.

Die meisten Kraftfuttermischungen weisen leider einen sehr hohen Energie- und Eiweißgehalt sowie einen zu hohen Calciumgehalt auf. Einseitige oder übermäßige Verfütterung von Kraftfutter führt daher häufig neben Verdauungsproblemen auch zu einer Verfettung der Kaninchen, aber auch zur Anbildung von Harnsteinen. Ein pelletiertes Alleinfuttermittel in einer Fütterungsmenge von maximal 1-2 Esslöffeln am Tag ist völlig ausreichend. Frischfutter wie Obst und Gemüse, aber auch Salate, Kräuter und „Wiesenfutter“ bereichern die tägliche Ration eines Kaninchens auf weit gesünderem Wege. Gelegentlich kann hartes Vollkornbrot, Zwieback oder Knäckebrot in kleinen Mengen angeboten werden. Neben Heu sollte natürlich frisches Wasser immer zur Verfügung stehen.

Bei artgerechter Haltung und entsprechender Pflege werden Kaninchen nur selten krank. Zur Gesunderhaltung tragen aber nicht nur ein sauberer Käfig und die Beachtung entsprechender Fütterungsgrundsätze bei. Auch vorbeugende Impfungen gegen Myxomatose, RHD und eventuell Kaninchenschnupfen sind für Ihre Kaninchen eine unerlässliche Schutzmaßnahme.

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